Auf den Malediven ausgiebig Sonne tanken und zur Abwechslung mal abtauchen zwischen den bunten Korallen im Great Barrier Reef oder vielleicht doch lieber quer über Teneriffa wandern, nachdem die Skisaison in den Alpen beendet ist? Die Welt ist groß und die Welt ist schön. Um sie in all ihren Facetten zu erleben, müssen wir verreisen. Die Bedeutung des Urlaubs änderte sich im Laufe der Zeit, so auch die Reisetrends.

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Die Reisetrends der Deutschen in einer kurzen Rückschau

Der Zweite Weltkrieg war noch gar nicht so lange vorbei und das Wirtschaftswunder hatte noch nicht richtig angefangen, als die ersten Deutschen gegen Ende der 1950er-Jahre jene nachhaltige Sehnsucht packte, ihren Urlaub im Ausland zu verbringen. Was lag da näher als die Schweiz und Österreich, aber auch Frankreich und vor allem Bella Italia rückten da sofort in den Fokus des Geschehens.

Dann kamen die glücklichen 1960er-Jahre. In der sozialen Marktwirtschaft des Ludwig Erhard verdienten die Menschen endlich gutes Geld. Man konnte es sich leisten, im Ausland Urlaub zu machen, und man wollte das auch zeigen. Dies traf schon damals auf fast ein Drittel der Bevölkerung zu. Der eigene Pkw war die Wahl der Mittel, während das Fliegen eher noch eine Ausnahme war, zumal Langstreckenflüge für den Normalbürger praktisch unbezahlbar waren.

Fliegen kam immer mehr in Mode

Es sollte ungefähr noch zehn Jahre dauern, bis Flugtickets fast für jedermann erschwinglich wurden. Im gleichen Zuge wurden immer mehr Flugstrecken, gerade innerhalb Europas, angeboten. So war die spanische Mittelmeerinsel Mallorca schon Anfang der 1970er-Jahre jedem ein Begriff. Trotz der gewaltigen Aufholjagd der Flugreisen blieb das Auto des deutschen liebstes Reisemittel. Dafür gibt es natürlich Gründe. Es ist relativ kostengünstig und man bleibt auch vor Ort sehr flexibel. Falls das Wetter nicht hält, was es verspricht, kann man sogar spontan zu einem anderen Ort weiterfahren.

Unser Urlaub im Wandel der Zeit

Der Fall des „Eisernen Vorhangs“ hat die Reiselandschaft der 1990er-Jahre nachhaltig geprägt. Millionen ostdeutsche Bürger hatten endlich die Lizenz zu beliebigem Reisen bekommen, die sogleich umfänglich genutzt wurde. Auf der anderen Seite fiel das so beliebte Jugoslawien wegen des dort tobenden Bürgerkrieges über viele Jahre als Reiseziel aus. Zeitgleich verstärkte sich der Konkurrenzkampf der Airlines, was zur Freude der Touristen in viele Billigflug- und Lastminute-Angebote mündete.

Die Jahrtausendwende bedeutete eine Art Zäsur im Verhalten der deutschen Touristen. Der einzelne Urlaub war nun nicht mehr so lang, dafür buchten die Touristen mehr Kurzurlaube pro Jahr. Scheuten sich früher die Eltern mit Kleinkindern, lange Reisen anzutreten, waren kleine Kinder oder Babys im 21. Jahrhundert absolut kein Grund mehr dafür, auf eine Fernreise zu verzichten. Reiseziele, die für frühere Generationen gar nicht denkbar waren, wurden ungefähr ab dem Jahre 2000 von immer mehr Touristen ins Auge gefasst.

Mit dem zunehmenden Bewusstsein über den Klimawandel in der Bevölkerung kamen zu Recht intensiv und kontrovers geführte Diskussionen über die Grenzen des Wachstums in der Touristikbranche auf. Darum ist es jetzt etwas still geworden, denn die aktuelle Corona-Krise hat uns alle vor vollendete Tatsachen gestellt.

Wie Corona unser Reiseverhalten beeinflusst

Trotz der Corona-Pandemie möchten die meisten Deutschen auf ihren Jahresurlaub in der bisherigen Form nicht verzichten. Grund genug für die Wissenschaftler am „Centrum für marktorientierte Tourismusforschung der Universität Passau“, eine repräsentative Studie über die aktuellen Reisetrends anzufertigen.

Bereits im Jahre 2019 war Deutschland selbst unser wichtigstes Reiseland, folgt man einer Analyse der „Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V.“ (FUR). Die Corona-Krise hat diesen Trend nun deutlich verstärkt. Laut der CenTouris-Studie wollen in 2020 gleich über 50 Prozent der Befragten ihren Urlaub in Deutschland machen.

Zu den Lieblingszielen gehören die Nord- und Ostseeküsten, die bayerischen Alpen, der Bayerische Wald sowie der Schwarzwald. Dabei geben über 80 Prozent an, dass Aktivitäten in der Natur im Vordergrund stehen sollen, um jederzeit die Abstandsregeln in ausreichendem Maße berücksichtigen zu können.

Weiterhin interessant sind Ziele im Ausland, die noch gut mit dem Auto zu erreichen sind. So nimmt es nicht wunder, dass gerade die Niederlande, Österreich und Kroatien häufige Wunschkandidaten sind. Bei Schweden, das auch in unmittelbarer Nähe Deutschlands liegt, überwiegt bei 90 Prozent der Befragten die Skepsis darüber, dass der schwedische Sonderweg ein besonders hohes Ansteckungsrisiko bergen könnte.

Die zentralen Ergebnisse der Studie

Ferienwohnungen und Ferienhäuser werden von 43 Prozent der Touristen bevorzugt. Die Hotels müssen sich mit circa 32 Prozent zufriedengeben. Dieses Verhältnis hat sich durch Corona in etwa umgekehrt. Das Wohnmobil und damit der Campingplatz verzeichneten einen klaren Zugewinn. Ähnliches gilt für private Übernachtungen. Ungefähr gleich blieb die Nachfrage bei den Pensionen, wohingegen Appartementhäuser Federn lassen mussten.

Die Koordinatorin der Studie, Brigitte Franz, sieht in der regionalen Wirtschaft, insbesondere in der Gastronomie und im Einzelhandel, durchaus einen Gewinner. Die meisten Reisenden, die eine Unterkunft mit Selbstversorgung wählen, trifft man lokal auf den Wochenmärkten, in den Discountern und Supermärkten und in den Restaurants wieder.

Jene Touristen, die ihren Urlaub in einem Heil- und Thermalbad verbringen möchten, legen großen Wert darauf, dass dort ein umfassendes Hygienekonzept wirklich gelebt wird. Franz erkennt bei deutschen Touristen ein stark ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis. Viele der Hauptzielgruppe im Altersrange zwischen 55 und 69 Jahren lehnen einen Besuch der weniger streng geregelten Thermen in Österreich eher ab.

Besonders gebeutelt durch die Corona-Krise ist die Kreuzfahrtbranche. Dr. Stefan Mang führt dazu aus, dass in etwa für zwei Drittel der noch immer an einer Kreuzfahrt interessierten Touristen eher Ausflüge in kleinen Gruppen infrage kommen, wobei Häfen außerhalb der großen, zentralen Anlegestellen bevorzugt werden würden. Dieser Ansatz könnte sich als Chance sowohl für flexible Reedereien als auch für die Regionen abseits der Hotspots erweisen.

Der neue Trend zu nachhaltigem Reisen

Nachhaltigkeit und Reisen, was für ein Widerspruch, oder? Schließlich verbraucht jeder Mensch, der sich auf diesem Planeten bewegt, Energie. Gewiss, der Radfahrer weist eine deutlich bessere Klimabilanz auf als der Fluggast.

Doch Nachhaltigkeit ist für viele Menschen inzwischen zu einem Lebensstil geworden, dem sie in jedem Bereich und zu jedem Zeitpunkt nachgehen wollen. Zudem haben Ökotouristen schon so etwas wie eine Vorbildfunktion in ihren Zielregionen übernommen. Allein seinen Müll nicht einfach auf die Straße zu werfen, sondern demonstrativ zu einem Mülleimer zu tragen, mag dort, wo so ein Verhalten nicht selbstverständlich ist, zu einem Umdenken beitragen.

Der sogenannte sanfte Tourismus hat sich das hehre Ziel gesetzt, möglichst keine negativen Impulse bei der Natur zu hinterlassen. Es beginnt schon beim Kofferpacken, geht bei der Auswahl der Unterkünfte weiter und zielt vor allem auf das Verhalten der Touristen vor Ort ab, um die lokalen Wertschöpfungsketten zu unterstützen. Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass Sie mit fast leerem Koffer verreisen, denn jedes transportierte Gramm erfordert Energie. Das, was Ihnen dann fehlt, können Sie vor Ort kaufen und dort die Wirtschaft voranbringen.

Die großen Hotelketten und Bettenburgen in bester Strandlage gehören zumeist ausländischen Investoren. Sie sind in der Lage, zum Teil unvernünftig günstige Preise in ihren Hochglanzbroschüren abzudrucken, weil sie beim Einkauf der Lebensmittel mit Knebelverträgen arbeiten und besonders billige Arbeitskräfte nicht selten von ganz woanders her einfliegen.

Aus diesen Gründen ist es besser, kleinere Unterkünfte zu buchen, die sich als Familienbetriebe präsentieren. Dadurch erfahren Sie echte Nähe zur Kultur des Landes und lernen auch gleich ein paar wichtige Brocken der Sprache der Gastgeber.

Am nachhaltigsten ist der Urlaub zu Hause auf Balkonien

Warum nicht mal Urlaub ganz stressfrei zu Hause machen? Wissen Sie, dass im Sommer und Herbst fast jeder deutsche Stadtpark wunderschön ist? Endlich mal ausgedehnte Spaziergänge mit Freunden und Verwandten machen, die man schon so lange nicht gesehen hat, weil nie Zeit dafür da war.

Rein statistisch ist der Flug von Berlin nach Mallorca ebenso klimaschädlich, als wenn Sie ein halbes Jahr lang täglich Auto fahren. Ja, Busse pusten hinten viel schädliche Rußpartikel heraus. Dennoch ist ein Städtetrip, den Sie per Fernbus unternehmen, eine der nachhaltigsten Arten zu reisen. Gleiches gilt für Mitfahrgelegenheiten, die nicht selten zu ganz neuen Freundschaften führen.

Wer wegen seiner Flugreise kein schlechtes Gewissen haben möchte, möge sich mal bei „myClimate“ über das Ausmaß des Klimaschadens, den er angerichtet hat, informieren. Für einen überschaubaren Spendenbeitrag lassen sich dann Klimaschutzprojekte finanzieren, die den Umweltschaden durch Flugzeuge kompensieren helfen.

Beispiele für nachhaltiges Verhalten im Urlaubsland

Ist es nicht irgendwie irrsinnig, auf Mallorca auf seine tägliche Currywurst mit Pommes frites und Mayo zu bestehen? Besuchen Sie doch lieber ein kleines Restaurant in einer abgelegenen Seitengasse und lassen sich von dem günstigen „Teller des Tages“, den dort auch die Einheimischen essen, überraschen. Sie werden staunen, wie schnell Sie an diesem Ort mit freundlichen Menschen ins Gespräch kommen.

Wenn an der Hose mal eine Naht zu reparieren oder der Schuh neu zu besohlen ist, nutzen Sie ruhig mal die Dienstleistung eines kleinen, lokalen Handwerksbetriebes. Falls Ihnen die Arbeit gut gefällt, geben Sie bestimmt gern ein Trinkgeld dazu. Davon profitiert meistens die ganze Familie des fleißigen Menschen.

CleanUp Kampagnen verbreiten sich zuweilen als Hype in den sozialen Netzwerken. Ob das die Welt wirklich braucht, sei dahingestellt. Ganz unabhängig von der digitalen Überladung der weltweiten Server steht es jedem frei, beim Strandspaziergang etwas Unrat im Müllbeutel einzusammeln, ohne dafür auf einen Nobelpreis einer Community zu hoffen. Fazit:

Der Klimawandel und die Corona-Krise scheinen in irgendeiner Weise gekoppelt zu sein. Beide fordern uns auf und bieten uns dabei zugleich neue Chancen, ganz grundsätzlich über die Reisetrends der Zukunft nachzudenken, um uns mit unserem wunderbaren Planeten endlich wieder zu versöhnen.